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Welche Browser-Fingerprints gibt es? 16 gängige Fingerprint-Typen erklärt

Websites erkennen Besucher mithilfe von Browser-Fingerprints, die aus mehr als einem Dutzend einzelner Merkmale zusammengesetzt sind. Dieser Artikel erklärt 16 gängige Fingerprint-Dimensionen wie IP, Zeitzone, UA, Canvas, WebGL und AudioContext sowie ihre Funktionsweise.

Beim Besuch einer Website kann diese unbemerkt zahlreiche Informationen erfassen, die dein Browser preisgibt: Betriebssystem, Bildschirmauflösung, installierte Schriftarten, verwendete Grafikkarte und mehr. Jede einzelne Angabe wirkt für sich genommen gewöhnlich, doch zusammen können sie einen ziemlich einzigartigen „Browser-Fingerprint“ bilden. Selbst wenn du Cookies löschst oder den Inkognito-Modus verwendest, kann eine Website dich möglicherweise weiterhin daran erkennen.

Für Teams, die mehrere Konten betreiben, ist es wichtig, die einzelnen Fingerprint-Dimensionen zu verstehen. Nur so lässt sich nachvollziehen, wie Umgebungsparameter konfiguriert werden sollten und warum bestimmte Werte miteinander übereinstimmen müssen. Dieser Artikel erklärt die 16 häufigsten Browser-Fingerprint-Typen einzeln.

Netzwerk- und Standort-Fingerprints

IP-Adresse. Bei jeder Internetverbindung weist der Anbieter deinem Gerät eine IP-Adresse zu. Sie funktioniert ähnlich wie eine Postanschrift in der realen Welt und sorgt dafür, dass Daten am richtigen Ziel ankommen. Websites nutzen sie, um die Netzwerkherkunft eines Besuchers zu bestimmen, etwa für Standortbestimmung, Inhaltsanpassung und Sicherheitsprüfungen wie die Erkennung ungewöhnlicher Anmeldungen. IP-Adressen gibt es im IPv4-Format (z. B. 192.168.1.1) und im IPv6-Format (z. B. 2001:0db8:85a3::8a2e:0370:7334).

Geografischer Standort. Über eine IP-Adresse lässt sich ungefähr ableiten, in welchem Land, welcher Region und welcher Stadt sich ein Besucher befindet, teilweise auch genauer. Websites verwenden diese Informationen für lokalisierte Inhalte, Spracheinstellungen und regionale Werbung.

Zeitzone und Ortszeit. Die Zeitzone kann aus der IP-Adresse abgeleitet oder direkt über Browser-Skripte ausgelesen werden. Entscheidend ist die Konsistenz: Wenn die IP auf die USA hinweist, die Browser-Zeitzone aber auf Pekinger Zeit eingestellt ist, kann eine solche Abweichung von Anti-Betrugs-Systemen leicht als ungewöhnlich markiert werden.

Grundlegende Browser-Fingerprints

User Agent (UA). Dabei handelt es sich um eine Zeichenfolge, die der Browser an eine Website sendet und die Informationen wie Browsertyp, Version und Betriebssystem enthält. Bei Chrome unter Windows enthält die UA beispielsweise Angaben zur Engine- und Systemversion. Websites nutzen die UA, um kompatible Inhalte und Oberflächen bereitzustellen.

Browsersprache. Gemeint ist die im Browser eingestellte bevorzugte Sprache, die über HTTP-Request-Header an den Server übertragen wird. Wichtig ist: Die Sprache der Browseroberfläche und der nach außen sichtbare Sprach-Fingerprint können voneinander abweichen. Solange der Sprach-Fingerprint zur Region der Proxy-IP passt, beeinträchtigt eine chinesischsprachige Oberfläche die Konsistenz der Umgebung nicht.

Schriftarten. Auf jedem Gerät ist eine andere Kombination von Schriftarten installiert. Browser können verfügbare Fonts per Skript auflisten. Bei Geräten mit vielen ungewöhnlichen Schriftarten kann bereits die Font-Liste selbst zu einem starken Erkennungsmerkmal werden.

Bildschirmauflösung. Dazu zählen sowohl die physische Bildschirmauflösung als auch die Größe des sichtbaren Browserbereichs nach Abzug von Symbolleisten und Tab-Leisten. Die Kombinationen unterscheiden sich je nach Gerät deutlich und sind daher ein verbreiteter Fingerprint-Faktor.

Hardware-Parallelität und Gerätespeicher. Browser können über hardwareConcurrency die Anzahl logischer CPU-Kerne und über deviceMemory einen ungefähren Arbeitsspeicherwert auslesen. Letzterer wird meist in Zweierpotenzen gemeldet und ist als Datenschutzmaßnahme des Browsers auf 8 GB begrenzt.

Do Not Track. Nutzer können in den Browser-Einstellungen ein „Nicht verfolgen“-Signal aktivieren. Interessanterweise ändern die meisten Nutzer diese Einstellung nicht. Wer sie aktiviert, kann dadurch unter den vielen Standardkonfigurationen sogar stärker auffallen und ein weiteres identifizierbares Merkmal erzeugen.

Grafik- und Medien-Fingerprints

Canvas-Fingerprint. Eine Website kann den Browser anweisen, Grafiken und Text auf einem Canvas zu zeichnen und anschließend das Rendering-Ergebnis analysieren. Unterschiede bei Bildschirm, Schriftarten und Grafikkarte führen auf verschiedenen Geräten zu winzigen Abweichungen auf Pixelebene. In Kombination ergeben diese Unterschiede einen recht einzigartigen „digitalen Fingerabdruck“ und machen Canvas zu einer besonders aussagekräftigen Fingerprint-Methode.

WebGL und WebGPU. Diese grafikbezogenen APIs ermöglichen es Webseiten, die GPU zum Rendern von 3D-Grafiken zu verwenden. Websites können darüber Hardwareinformationen wie das Grafikkartenmodell auslesen und so Fingerprints auf Hardwareebene erzeugen. Ihre Wirkung ist beispielsweise bei 3D-Spielen im Browser sichtbar, zugleich sind sie wichtige Quellen für Fingerprint-Daten.

Fingerprint von Mediengeräten. Über die MediaDevices API lassen sich Informationen zu Geräten wie Kamera und Mikrofon erfassen, darunter Gerätetyp, Name, Auflösung und Verbindungsart. Aus Datenschutzgründen benötigen moderne Browser dafür in der Regel die Zustimmung des Nutzers.

AudioContext-Fingerprint. AudioContext ist eine Browser-API zur Audioverarbeitung. Unterschiedliche Audiohardware und Software verarbeiten Klang mit minimalen Abweichungen. Diese Unterschiede können erfasst und zu einem „Audio-Fingerprint“ kombiniert werden, der ebenfalls eine relativ hohe Unterscheidungskraft besitzt.

Layout- und weitere Fingerprints

ClientRects. Beim Rendern einer Webseite berechnet der Browser fortlaufend Position und Größe der Seitenelemente. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Gerät, Browser und Fenstergröße. Websites können diese Layoutinformationen kombinieren und daraus weitere identifizierende Merkmale gewinnen.

SpeechVoices. Dieser Fingerprint basiert auf den auf einem Gerät verfügbaren Sprachsynthese-Stimmen, einschließlich unterschiedlicher Sprachen, Akzente und Sprecher. Da Sprachkonfigurationen auf verschiedenen Geräten nur selten vollständig identisch sind, besitzen auch sie Erkennungswert.

Mehrschichtige Browser-Fingerprint-Struktur aus Netzwerk- und Standortsignalen, grundlegenden Browsermerkmalen, Grafik und Medien sowie Layout und weiteren Signalen

Fingerprints verstehen und Umgebungen passend konfigurieren

Unter den 16 genannten Dimensionen zählen IP, Zeitzone, Sprache, UA, Canvas, WebGL und AudioContext zu den wichtigsten Faktoren für den Betrieb mehrerer Konten. Bei der Konfiguration einer Browserumgebung geht es nicht darum, jeden Parameter möglichst „besonders“ zu machen, sondern darum, dass die gesamte Kombination stimmig ist. Befindet sich die Proxy-IP in den USA, sollten Zeitzone, Sprache und UA ebenfalls auf diese Region hinweisen. Widersprüchliche Parameter fallen dagegen eher auf.

Die Webversion von PurpleMark deckt beim Erstellen einer Umgebung die wichtigsten genannten Dimensionen ab: Betriebssystem und Chromium-Kernel-Version, User-Agent und Auflösung, Browsersprache, Zeitzone und geografischer Standort (der IP folgend oder benutzerdefiniert), Schriftartenliste, WebGL-Metadaten, WebGPU, WebRTC und Proxy-UDP sowie Schalter für Canvas, AudioContext, Mediengeräte, ClientRects, SpeechVoices, Do Not Track, Hardwarebeschleunigung, MAC-Adresse und Schutz vor Port-Scans. Als einfache Regel gilt: Richte dich nach der Zielregion des Geschäftskontos, lasse Netzwerk, System, Sprache und erweiterte Fingerprint-Einstellungen auf dieselbe Region zeigen und halte die Umgebung langfristig stabil.

Wichtig ist, dass die Umgebungsisolierung vor allem das Risiko reduziert, dass Konten durch eine gemeinsam genutzte Umgebung miteinander verknüpft werden. Ob ein Konto langfristig stabil bleibt, hängt weiterhin von der Qualität der Inhalte und davon ab, ob die Nutzung den Plattformregeln entspricht. Fingerprint-Einstellungen sind nur ein Teil davon.

Häufig gestellte Fragen

Kann sich ein Browser-Fingerprint verändern?

Ja. Änderungen an Geräteeinstellungen, die Installation neuer Software oder Updates des Browsers bzw. Betriebssystems können den Fingerprint verändern. Deshalb empfiehlt es sich, eine einmal konfigurierte Multi-Account-Umgebung stabil zu halten und nicht ständig anzupassen.

Kann ich nach dem Löschen von Cookies trotzdem erkannt werden?

Möglicherweise. Cookies sind nur eine von mehreren Erkennungsmethoden. Fingerprints wie Canvas, WebGL und AudioContext sind nicht von Cookies abhängig und bleiben auch nach dem Löschen von Cookies bestehen. Deshalb bedeutet „Inkognito-Modus“ nicht automatisch „unsichtbar“.

Sammeln alle Websites Browser-Fingerprints?

Nicht jede Website sammelt sie aktiv. Große Social-Media-, E-Commerce- und Werbeplattformen nutzen Fingerprinting jedoch häufig für Risikokontrolle, Betrugsprävention und Werbe-Targeting. Für normale Nutzer ist die Auswirkung begrenzt, für Betreiber mehrerer Konten kann sie dagegen erheblich sein.